Vor dem Zweiten Weltkrieg: Familie Heinrich Schierenberg

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt bis heute
als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches
im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie legt sich, den alten
Wallstraßen folgend, halbkreisförmig um die Altstadt. Als ihr
Kernstück wurde die Ringstraße, ein baumbestandener und
mit öffentlichen Grünflächen versehener "Prachtboulevard",
bestehend aus zehn Teilstücken von unterschiedlicher Breite
und Gestaltung, angelegt.

Der Theodor-Heuss-Ring, ehemals Deutscher Ring, bildet das
letzte nördliche Teilstück des Ringes zum Rheinufer hin und
umschließt in seiner gesamten Länge eine großzügige Park-
anlage. Von der im Wesentlichen 1895-1900 errichteten
Bebauung dieser repräsentativen Wohnstraße, die an der
südlichen Seite aus mehrgeschossigen hochherrschaftlichen
Wohnhäusern mit Vorgärten bestand, hat sich das Haus
Schierenberg als eines der wenigen erhalten.






Heinrich Schierenberg bewohnte bis zu seinem Tode 1938 die
Beletage des Hauses. Aus seinem Büro im Erdgeschoss war er
maßgeblich an prominenten Kölner Bauprojekten jener Zeit
beteiligt.

Beispielhaft sind das ehemalige Reichsbankgebäude in
Unter-Sachsenhausen (heute: Niederlassung der Deutsche
Bank AG) und das Hohenstaufenbad (im Krieg zerstört) auf dem
Hohenstaufenring zu nennen.

Weitere Bewohner des Hauses bis 1945 waren im 2. Ober-
geschoss der Sänger und Intendant der Kölner Oper Fritz
Rémondsen; nach dessen Auszug Heinrich Schierenbergs
Tochter Gertrud mit Ihrem Gatten, dem Juristen Wilhelm Josef
Holl, der hier auch seine Kanzlei führte.

Im 3. Obergeschoss wohnte Baron Bela von Szicley, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf seinem Gut in Ungarn verhungerte.

In den 1930er Jahren zog der Tapetenfabrikant Klein in das 3.
Obergeschoss. Bewohner des 4. Obergeschosses war der
Oberreichsbahnrat Engels.






























Architektur

Das Haus Schierenberg wurde 1894/95 nach Plänen der
Architekten (Alfred) Müller & (Otto) Grah für den Bauunterneh-
mer Heinrich Schierenberg (1869-1938) erbaut und weist
eine aufwendig gestaltete Werksteinfassade aus rotem
Mainsandstein auf, deren Gliederungen und bildhauer-
ischer Schmuck vorwiegend der Formensprache der Gotik
entlehnt sind.

Die linke Achse des Gebäudes, in der sich
auch die Tordurchfahrt befindet, ist dabei durch die Balkone
und den prächtigen Giebel besonders hervorgehoben
worden.

Weitere Akzente setzen der Mittelerker und die portalartig
ausgebildete Eingangssituation mit der Freitreppe. In
Entsprechung zur Fassade sind im Inneren auch Vestibül
und Flur mit den Wölbungen in Anklängen an die Gotik
gehalten worden.